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Corvey auf dem Weg zum Weltkulturerbe

6-Adalhard

Foto: Abt Adalhard der Ältere (822-826); die Bilder in der Äbtegalerie stammen von dem Braunschweiger Maler Tobias Querfurth (um 1714).

Adalhard - erster Abt von Corvey

Erster Abt des neu gegründeten Klosters Corvey wurde Adalhard.
Er stammte aus der königlichen Familie der Karolinger und war ein Enkel Karl Martells. Er wurde 751 oder 752 als Sohn Bernhards, des Bruders von König Pippin, und einer Fränkin geboren. Aus seinen ersten 20 Lebensjahren ist nur bekannt, dass er am königlichen Hofe zusammen mit seinem Vetter Karl dem Großen sowie Benedikt von Aniane erzogen wurde. Zwischen 768 und 771 könnte er dann im Dienste von Karl dem Großen oder dessen Bruder Karlmann, die in dieser Zeit zusammen das Frankenreich regierten, gestanden haben.

772 hat er in jedem Fall die weltliche Bühne verlassen und ist als Mönch in das Kloster Corbie eingetreten. Über seine Beweggründe kann nur spekuliert werden. Möglicherweise hängen sie mit der nun beginnenden Alleinherrschaft Karls des Großen zusammen.

In Corbie blieb Adalhard aber nur kurzzeitig. Noch vor Beendigung seines einjährigen Noviziats wechselte er ins Kloster Monte Cassino. Erst 774 kehrte er nach Corbie zurück und wurde dort zum Abt bestellt. In den folgenden Jahren wurde er einer der engsten Berater Karls des Großen, der ihn nun mit verantwortungsvollen Aufgaben betraute. Als Karl 781 seinen Sohn Pippin zum Regenten des eroberten Langobardenreiches in Italien einsetzte, bestimmte er Adalhard zu dessen Berater und Erzieher. Adalhard wurde dadurch zusammen mit anderen Beratern praktisch zum Mitregenten Italiens. Spätestens um 790 muss Adalhard aber wieder in das Frankenreich zurückgekehrt sein. Hier gehörte er nun zur Hofgesellschaft Karls und hatte regelmäßig Umgang mit allen Großen des Reiches. Mit vielen von ihnen stand er auch in ausführlicher schriftlicher Korrespondenz. Gleichzeitig sorgte er dafür, dass Corbie zu einem Musterkloster mönchischer Lebensweise wurde. Adalhard selbst pflegte die benediktinischen Ideale, insbesondere die Armut.

Als enger Vertrauter Karl des Großen war er um die Jahrhundertwende wohl auch an den Gesprächen mit Papst Leo III. beteiligt, an deren Ende Karl vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Ob Adalhard beim Zug nach Rom dabei war, muss offen bleiben. 802 ist aber seine Teilnahme an der Synode von Aachen bezeugt, wo es um die benediktinischen Mönchsregeln ging. Adalhard scheint hier mit Benedikt von Aniane aneinander geraten zu sein. Auch in der Sachsenpolitik Karls scheint er eine aktive Rolle gespielt zu haben. Bis zum Tod Karls des Großen ist Adalhard ständiger Gast auf Reichsversammlungen und Synoden oder Gesandter des Kaisers beim Papst (810). Von 810 bis 814 leitete er erneut die Regierungsgeschäfte in Italien, als Karls Sohn Pippin verstorben und dessen Sohn Bernhard noch minderjährig war.

Nach Karls Tod 814 kehrte Adalhard unverzüglich ins Frankenreich zurück, wo ihm in Corbie mitgeteilt wurde, dass er in das Kloster St.-Philibert auf der Loire-Insel Noirmoutier verbannt sei. Auch seine Geschwister ereilte das gleiche Schicksal. Dahinter steckte das Bemühen des neuen Kaisers Ludwig d. Frommen, alle Berater seines Vaters aus der Reichspolitik zu entfernen.

821 wurde Adalhard wieder als Abt von Corbie eingesetzt und kehrte ein Jahr später auch kurzzeitig als Berater an den Hof Ludwigs zurück. Im gleichen Jahr reiste er zusammen mit seinem Halbbruder Wala nach Sachsen, um der dort 815/816 erfolgten Klostergründung Hethis eine bessere Zukunft zu verschaffen. Sie fanden für die junge Klostergemeinschaft ein geeignetes Gelände im Weserbogen bei der villa hucxori und gründeten dort das sächsische Kloster neu. Adalhard übernahm in Personalunion als Abt von Corbie auch die Leitung von Corvey. Am 2. Januar 826 verstarb er in Corbie. Wahrscheinlich im Jahre 1025 wurde er heilig gesprochen. An seinem Todestag sowie am 10. Oktober, dem Tag seiner Heiligsprechung, feierten die Mönche in Corbie und Corvey Messen zu seinem Andenken.


Hubertus Grimm

Literatur:

Brigitte Kasten: Adalhard von Corbie, Düsseldorf 1985.
Karl Heinrich Krüger, Studien zur Corveyer Gründungsüberlieferung, Münster 2001.




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